Kurze Bücher, langer Sommer

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Wir verlängern den Sommer. Mit diesen Büchern geht das am schönsten: sie sind kurz und in drei, vier Stunden gelesen. Sie erfreuen unseren Geist und wärmen unser Herz. So sind wir richtig vorbereitet für den Herbst.

Johan Bargum. Septembernovelle
Zwei Männer, eine Frau. Zuerst war sie mit dem einen verheiratet, dann verliebt sie sich in den anderen. Elin verbindet Olof und Harald. Und trennt die beiden. An einem warmen Septembertag begeben sich die zwei Männer auf einen Segeltörn. Nur einer kehrt zurück.

Rückblende. Begonnen hat alles vor 20 Jahren, als Olaf im Hafen auf dem Deck seiner Yacht sitzt und plötzlich Elin sieht, wie sie den Bootssteg entlang geht. Auf die Liebe ist Olaf nicht vorbereitet und auch nicht darauf, dass Elin die Frau von Harald ist. Und doch ist es Liebe auf den ersten Blick, die anhält und mehr wird. Nach 20 Jahren ruft Harald Olaf an: er ist sehr krank und möchte noch ein letztes Mal segeln, bevor ihn die Kraft verlässt. Er braucht jemanden, der ihn begleitet. Olaf sagt zu …

Ein raffiniert komponiertes Buch über große Themen: die Macht des Schicksals, die Unausweichlichkeit des Todes und die Liebe, die über allem zu stehen scheint.

Ein kleines Juwel, leicht und tief zugleich!  
Im Mareverlag um 18,50 Euro.

Kader Abdolah. Die Krähe
„Leser! Ich bin Kaffeemakler und wohne an der Lauriergracht 37. Ich hatte nie den Wunsch, Kaffee zu verkaufen, doch das Leben hat es so gewollt.“

Was der persische Schriftsteller Kader Abdolah, der in den Niederlanden lebt, wollte, war nur eines: schreiben. Und dass sogar die holländische Königin seine Bücher liest. Ob es dazu wirklich kommt, zeigt dieses Buch, in dem er (s)ein Schicksal dieser Tage erzählt:

Die Fantasie und ein Ziel. Kader Abdolah ist im Iran in der Untergrundbewegung aktiv, die gegen den Schah kämpfte und muss in den 1980er Jahren flüchten. Weil er zu wenig Geld für den Schlepper hat, landet er nicht in Deutschland oder Kanada, sondern in den Niederlanden. Er fällt aus Sprache und Zeit, aber er hat ein Ziel: er will Schriftsteller werden, seine Familie nachholen, er will ein gutes Leben haben. Und er will sich erinnern: an seine Heimat Persien, „dem Land der alten Könige, dem Land des Goldes, der fliegenden Teppiche, der bildschönen Frauen und dem Land Zarathustras.“

Ein Märchen, das wahr geworden ist.
Im Arche Verlag um 12,40 Euro.

Ulrich Schacht. Grimsey
„Eine Insel, nur von Gras überzogen, und ein Haus darauf, in das ich gehen kann und aus dem ich komme, um vor dem Meer zu stehen.“

Das ist die Geschichte eines Mannes, der auszog, um Inseln zu sammeln: wie Grimsey zum Beispiel, eine winzige Insel im Nordmeer, 40km von Island entfernt, baumlos, voll Vogelgeschrei. Es gibt eine kleine Siedlung, einen ockerfarbenen Leuchtturm, eine weiße Kirche mit rotem Dach, viel Wind, viel Meer, viel Himmel.

Beim Durchschreiten der Insel entdeckt der Ich-Erzähler seltsame Dinge: die Kirche ist von einem merkwürdigen Summen tausender Fliegen erfüllt, die weißen Flecken auf den Wiesen sind tote Möwen und zugleich sind die Landschaft und das Tosen der Elemente so schön, dass es ihm beinahe den Atem nimmt. Während er geht und fotografiert, fragt er sich: Warum sucht er diese große Einsamkeit? Warum lässt er sich immer wieder aus der Zeit fallen? Was ist von seinen Träumen übrig geblieben? Und so wird dieser Tag auf Grimsey, der als Abbild des Äußeren geplant war, zu einem Bildnis seines Inneren …

Eine stille, ruhige Novelle – sprachlich dicht und kraftvoll!
Im Aufbau Verlag um 20,60 Euro 

Bonus-Buch: Andreas Unterweger. Das gelbe Haus
Eine poetische Kindheitsutopie, wie sie liebevoller und hinreißender nicht sein könnte und: ein Kinderbuch für Erwachsene, dem ganz großen Sommer gewidmet.

Buben. Eine Gruppe kleiner Buben wohnt im gelben Haus an einem gelben Fluss und nur der Großvater und die Katze Mia leisten ihnen Gesellschaft – in einer wunderbaren Welt, in der es viele kleine Rätsel und große Freuden gibt: wo die Katze sprechen lernt, nach Wiese riecht und eine großzügige Gastgeberin ist. Wo in der Paradeissauce Tannenzweige schwimmen. Wo es Wildschweine gibt, die durch Wildschweine rennen, der Kuckucksruf vielleicht von einem Indianer kommt, der Biberkönig einen Palast besitzt und Hoboken ein Zauberwort ist. 

Und wo die Sommer so richtig groß, ja so riesengroß sind, dass sogar das gelbe Haus und die riesige Tanne daneben klein sind – im Angesicht dieser Sommer.

Ein eigensinniges Wunschträumchen – großartigst!
Im Literaturverlag Droschl um 20,00 Euro 

 

Kurze Bücher verlängern den Sommer.

Mit diesen Büchern verlängern wir den Sommer:
auf der isländischen Insel Grimsey, an der Lauriergracht in
Amsterdam und mit einem nordischen Segeltörn.

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