Stilles Land

Zurück

Jetzt kommt die Natur zur Ruhe. Das Land liegt still und manchmal ruft ein Vogel. So wie in diesen Büchern, die aus England stammen und gut zum Spätherbst passen.

Diane Setterfield.
Aufstieg und Fall des Wollspinners William Bell
England im 19. Jahrhundert: Will Bell ist zehn Jahre und vier Tage alt, als ihm – wie er meint – eine Ruhmestat gelingt. Er ist mit seinen Freunden im Wald unterwegs, sie laufen um die Wette, klettern auf Bäume und sie stacheln sich an, kleine Heldentaten zu vollbringen.  

So wie folgende. Nie im Leben, glauben seine Freunde, kann Will die Saatkrähe, die viele Zweige weiter sitzt, mit seiner Steinschleuder abschießen. Aber sein Wille ist fest und der schwarze Vogel fällt. Als Will vor der toten Krähe steht, bewegt sich etwas in seiner Brust, so als würde ihm ein Organ entfernt und durch etwas Neues ersetzt. Auf dem Heimweg dreht er sich noch einmal zur Stelle um, wo die tote Krähe lag und meint, dort einen kleinen Jungen zu sehen – regungslos, ganz in Schwarz gekleidet.

So beginnt die Geschichte von Will, der ein erfolgreicher Wollspinner wird und das Glück gepachtet zu haben scheint. Bis sich mysteriöse Todesfälle in seinem Leben häufen. Und er selbst zum Herrn des Todes wird…

Ein kluges Märchen und eine fesselnde Geschichte – so spannend, dass Ihr die Couch nicht mehr verlassen wollt!  
Im Blessing Verlag um 20,60 Euro.

Kazuo Ishiguro. Der begrabene Riese
Wieder Britannien, diesmal im 5. Jahrhundert: Axl und Beatrice, ein altes Paar, leben in einem Höhlendorf. Weil man sie dort schlecht behandelt, beschließen sie, zu ihrem Sohn zu ziehen. Sie haben ihn lange nicht gesehen und die Erinnerung an ihn ist trüb – überhaupt scheint ihnen, als liege ein seltsamer Nebel über ihrem Land.    

Und trotzdem gehen sie auf ihre Reise, die abenteuerlich und voll überraschender Begegnungen wird: sie treffen auf den Krieger Wistan und lernen Edwin kennen, einen Jungen, der an einer rätselhaften Bissnarbe leidet. Sie begegnen dem alten Gawain, Artus‘ letztem Ritter, der mit seinem Schlachtross durch die Lande zieht. Und sie erfahren letztendlich auch, woher der Nebel stammt, der sich wie ein langer Atem über das Land legt…  

Für alle, die G.R.R. Martin und seinesgleichen lieben: eine fantastische Geschichte von Rache und Krieg und von der Liebe, die über allem steht. Tipp: Die ersten 50 Seiten durchhalten, dann geht die Story so richtig los.
Im Blessing Verlag um 23,70 Euro.

Helen MacDonald. H wie Habicht
Ein ungewöhnliches Buch, die Meinungen darüber überschlagen sich: es ist die Geschichte der Autorin selbst, die schon als Kind die Falknerei gelernt hat und von Greifvögeln derartig fasziniert war, dass sie beim Schlafen die Arme hinter dem Rücken hielt, weil auch Vögel über Nacht ihre Flügel am Rücken falten.

Als ihr Vater stirbt und Helen MacDonald in eine tiefe Krise fällt, beschließt sie, einen Habicht abzurichten, ein legendär unbezähmbares Tier. Sie arbeitet mit Mabel, einem Habichtweibchen, das sie an ihre Grenzen führt und auch uns Leser. Denn das Buch zeigt schonungslos das Wilde eines Naturwesens, wirft Fragen zur Falknerei auf und führt in die tiefsten Trauerstunden der Autorin. 

Und doch leuchtet in diesem Buch ein beständiges Licht: wenn sich die Natur als unbezwinglich erweist, wenn Helen MacDonald im Spätherbst das stille Land rund um Cambridge mit den Augen eines Greifvogels überfliegt oder wenn ihr Vertrauen aufblitzt, das Leben zu meistern – mit einem Habicht als Führer.

Ein großer Naturroman, hymnisch besprochen und in England als bestes Buch des Jahres 2014 ausgezeichnet.
Im Allegria Verlag um 20,60 Euro 

 

Stilles Land

Lesestoff im Spätherbst: Das Land liegt still … so wie in diesen Büchern

1 · 2 · 3 · 4