Unterwegs. Mit Büchern in Hotels und auf Reisen.

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Bevor es mit dem Herbst so richtig losgeht, gehen wir noch einmal auf Reisen und lassen uns neue Horizonte eröffnen. Mit diesen Büchern gelingt das bestens:


Paul Theroux. Hotel Honolulu
Ein erfolgloser Schriftsteller, der Hotelmanager wird:

Es war einmal ein Mann auf einer Insel. Auf der Insel aller Inseln überhaupt, nämlich auf Hawaii. Er lebt im Hotel Honolulu, das – nun ja, man muss ehrlich sein – ein Paradise Lost ist. Das beginnt mit Buddy Hamstra, dem Besitzer, der ein hemmungsloser Lebemann, ungenierter Lügner und unermüdlicher Womanizer ist und einen neuen Manager für sein Hotel Honolulu braucht. Er findet ihn in unserem Mann, dem Hauptprotogonisten: einem erfolglosen Schriftsteller, der von einer großen Schreibblockade geplagt wird und nun meint, ein neues Leben beginnen zu können. Anfangs schaut es tatsächlich so aus, als ob das gelingt. Er verliebt sich in die jüngere Sweetie und kriegt mit ihr die entzückende Rose. Die Hotelangestellten brauchen ihn so gut wie nie und machen ihren Job allein. Und das Managerkämmerchen birgt auch so manch interessantes Geheimnis. Stichwort: Briefe in der Ablage. Aber dann holt ihn doch noch der Alltag ein. Da ist einmal ein Dauermieter, der im Hotel schreinert. Tagaus, tagein schleift und schmirgelt er in seinem Zimmer. Dann gibt es Madame Ma, zwar keine Dauermieterin, aber ein Dauergast, der so gar nicht mit der kleinen Rose kann. Dann tauchen Probleme mit den zwei humpelnden Kellnern auf und mit Eddie, der seiner Frau zum Geburtstag einen Liebhaber organisieren will. Und schließlich ist da noch Buddy, der Hotelbesitzer, der alle ständig und immer wieder hinters Licht führt. Wie aber wird alles ausgehen? Selbst die verschlungenste Reise ist der Weg nach Hause. 

Ein Buch, in dem es skurril und exzentrisch zugeht, mit dem man lachen kann und das perfekt zu jedem Urlaub passt: Viele der Geschichten rund ums Hotel Honolulu sind abgeschlossen, sodass man diesen Roman auch in kleinen Häppchen lesen kann. 
Im Hoffmann und Campe Verlag um 24,70 Euro.


Emma Hooper. Etta und Otto und Russell und James
Das sind diejenigen, um die es in diesem Buch geht. Sie gehen ihre Wege gemeinsam und sie trennen sich. Und doch bleiben sie für immer miteinander verbunden:   

Etta ist alt, hat aber noch nie das Meer gesehen. Von einem Tag auf den anderen entscheidet sie, dass sich das ändern soll und so marschiert sie los. 3.232 Kilometer quer durch Kanada bis an die Ostküste – mit dabei hat sie nur Schokolade und ein Gewehr. Otto, ihr Mann, lässt sie ziehen. Er ist selbst vor vielen Jahren zu einer langen Reise aufgebrochen und weiß, dass jeder das, was er sucht, finden will. So sitzt er zu Hause und wartet und wartet. Auf ihrer Wanderung trifft Etta den Kojoten James, der sie beschützt und begleitet und ihr Bezug zur Wirklichkeit ist. Denn wenn das Wasser knapp wird, das Essen zu rar und die Anstrengung zu groß, kann Etta nicht immer entscheiden: Was passiert jetzt? Was ist Erinnerung? Dann fallen ihr die Zeiten ihres Lebens ein. Ihre Jugend. Ihre Schwester. Als sie in einem Dorf in einer Schule unterrichtet hat. Wie klar das Sonnenlicht war und wie der Staub flirrte. Wie sie Russell kennenlernte. Und dass er ihr Freund geblieben ist. Während Etta geht und geht, wird sie eine kleine Berühmtheit in Kanada. Dann aber verschwindet James, der Kojote, und Russell verlässt das erste Mal in seinem Leben seine Farm und macht sich auf den Weg: um Etta zurückzuholen…

Rührend, entwaffnend, ehrlich, so wundervoll wie ein klarer Tag im Herbst. Ihr werdet beim Lesen eine kleine Träne in den Augen und ein großes Lächeln auf den Lippen haben. Meines Erachtens: must read!
Im Droemer Knaur Verlag um 20,60 Euro.


DBC Pierre. Frühstück mit den Borgias

Willkommen in The Cliffs, dem abgründigsten Hotel Großbritanniens:

Ariel Panek ist Informatik-Professor und auf dem Weg nach Amsterdam, wo er zu einer Konferenz soll, aber eigentlich etwas anderes vorhat: Die Zeit im Bett mit seiner Geliebten Zeva zu verbringen, die dummerweise auch seine Studentin ist. In Amsterdam kommt Ariel allerdings nie an, stattdessen landet er im Küstenhotel The Cliffs – wie genau kann er sich nicht mehr erinnern, aber was für ihn viel schlimmer ist: Es gibt kein Internet und keine Handyverbindung und Ariel fühlt sich hilflos  ausgeliefert. Für den schrulligen Hotelbesitzer ist Service eine Zumutung und die anderen Gäste, eine Familie, sind noch um ein Eck neurotischer als er selbst. Die Borgias saufen und jammern die ganze Nacht und ziehen Ariel tief in die skurrile Hotelwelt vom The Cliffs hinein. Dann taucht noch die magersüchtige Tochter der Borgias auf und verknallt sich heftig in Ariel. Wie unpassend, wo er doch verzweifelt versucht, seine Geliebte zu erreichen. Und dann merkt er, dass der weitläufige Park rund ums Hotel abgesperrt wird und er das The Cliffs nicht mehr verlassen kann. Was zum Teufel geht hier vor? 

Nicht ohne, das alles. Wahnsinn, Logik, Angst, Liebe, Tod – eine phantastische Parabel voller Abgründe!
Im Blumenbar Verlag um 18,50 Euro.

 

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