I’m from Austria. Bücherurlaub auf Balkonien

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Im Urlaub wegfahren, ist es schön. Zuhause bleiben aber auch. Diese Bücher bekommen beste Haltungsnoten für euer Balkonien:

Tex Rubinowitz. Lass mich nicht allein mit ihr
Bei ihm weiß man ja nie: Ist er es selbst oder ist er es nicht? Aber nicht doch. Natürlich ist Tex Rubinowitz im Buch nicht Tex Rubinowitz, sondern sein literarisches Ich. Oder?

Wie auch immer. Man braucht sowieso ein wenig, bis man sich in den Büchern von Tex Rubinowitz zurechtfindet, denn nur eine Geschichte brav erzählen, ist seine Sache nicht. Zum Glück. Denn so bleibt es überraschend und das gilt auch für sein neues Buch. Das von einem Typen handelt, der einen Roman namens „Virna“ schreibt oder zumindest zu schreiben versucht, dabei jedoch ständig abgelenkt wird: von einer Schauspielerin, die mal auf Klinik unter Palmen machte und sich im Forsthaus Falkenau herumtrieb, aber sexy, mysteriös, cool und auch noch nett ist. Abgelenkt von seinem Lektor, der behauptet, dass der Typ, der „Virna“ schreibt, nichts zu erzählen hat. Abgelenkt von seinem Chef, der ständig anruft und zurückgerufen werden will, denn da gibt es noch den Brotjob bei einer Filmfirma. Und dann ist da noch ein Spind, der auch ablenkt, weil er randvoll ist – mit Zeitungsausschnitten über Tex Rubinowitz oder über den Typen, der „Virna“ schreibt oder zumindest schreiben will. Oder wie war das noch mal?

Ein phantastisches Vexierspiel vom Ingeborg-Bachmann-Preisträger und ein Buch, das nervt, und zum Lachen bringt, unterhält und virtuos bis zur letzten Seite ist. Beste Haltungsnote für Balkonien!
Im Rowohlt Verlag um 20,60 Euro.

Doris Knecht. Alles über Beziehungen
Ein Buch über Viktor, der heimlich Ficktor genannt wird. Und ja, Ihr habt schon richtig gelesen. Hier geht um Sex, und dabei erfährt Ihr auch noch alles über Beziehungen:

Viktor ist seit kurzem Festivalintendant. Endlich bringt er mehr Kohle nach Hause als seine Frau. Endlich hat er die Bedeutung, die ihm zusteht. Und endlich wird er richtig wahrgenommen. Denn Viktor ist irgendwie Durchschnitt. Aber das spornt ihn an: für seine Jagdausflüge, die ihrer zahlreich sind. Viktor liebt die Frauen, und ja, man darf ruhig ehrlich sein, die Frauen lieben ihn. Das könnte eh ganz schön sein, wenn es da nicht gar so viele Frauen in seinem Leben geben würde. Da sind einmal seine fünf Töchter von drei Frauen. Dann ist da seine Frau Magda – entspannt, aber nur bis zu einer dummen SMS, mit der Viktor nie gerechnet hat. Na ja, und dann sind da noch Helen, Lisbeth, Josi, Anja, Camille, und Lisa. Gut, mit ihr hat er keinen Sex, sein Leben bestimmt sie trotzdem mit. Helfen kann sie ihm aber auch nicht, denn Viktor fliegt auf. In einem Buch, in dem es ums Kommen geht, musste das ja kommen! Doch was sich frivol anhört, ist eine subtile Geschichte über Liebe und Beziehungen, über Treue, Loyalität und das, was man Freundschaft nennt.

Doris Knecht erzählt auch in ihrem neuen Buch furchtlos und schonungslos, stets mit einem Augenzwinkern und unterhaltsam. Und für alle, die es noch nicht sind: Spätestens nach diesem Roman seid Ihr dem speziellen Sound von Doris Knecht verfallen. Versprochen, sie kann es einfach!
Im Rowohlt Verlag um 23,60 Euro.

Kurt Palm. Strandbad Revolution
Ein Sommer wie damals – Mick hat einen blöden Fünfer im Abschlusszeugnis und sollte für die Nachprüfung lernen. Stattdessen versorgt er aber lieber den Opa mit Schnaps und streift dafür ein paar weiße Ripp-Leiberl ein, die er braucht, um: sich a.) unwiderstehlich zu finden, weil b.) die Bikinis der Mädels immer knapper werden, und er c.) schön langsam bei einer landen sollte. Aber wird schon alles gut werden, meint er, der Mick.

Ganz so leicht ist es dann aber doch nicht. Denn die Amerikaner sind im Nordvietnam und seine Freunde, ganz besonders der sensible Candy, planen deshalb eine Revolution, im Strandbad oder doch besser vor der städtischen Bank, damit die Gesellschaft endlich aufwacht. Das alles ist aber heikel. Da denkt Mick lieber an den Urlaub in Kroatien, für den Papa einen alten Opel gekauft hat. Und mit er auf dem Pass, dessen Namen er sich nicht merken kann, die Nerven schmeißt. Weil es staut und staut und er den Führerschein erst ziemlich frisch hat und das mit der Handbremse wegfahren noch nicht so gut klappt. Und dann fällt der Mama in Kroatien ein, Faschingskrapfen für den halben Campingplatz zu backen, was auch nicht gut ausgeht, weil sie das in der prallen Sonne macht. Ja, und dann trifft er Anika, die Erfahrung hat und nach dem Urlaub ein Brieferl schickt. Irgendwie wird alles nicht so gut, wie Mick meint, dass es werden wird – im Sommer 1972, und überhaupt…

Zwischen Extrawurstsemmeln und Sonnenöl schreibt Kurt Palm witzig und schräg, wie lange ein Sommer in der österreichischen Provinz sein kann und wie kurz das Leben ist. Unbedingt ins Strandbad mitnehmen!
Im Deuticke Verlag um 20,60 Euro.

Emma Straub. Frauen, die lieben
Es könnte die Wisteria Lane sein, aber ist eine Straße an Ditmas Park, irgendwo in einem Vorort von Brooklyn. Es riecht in diesem Sommer oft nach Basilikum und frischen Tomaten und die Bewohnerinnen der viktorianischen Häuser fragen sich, was von ihren Lebensträumen übrig ist:

Elizabeth, Andrew und Zoe spielten im College in einer Band und machten das Unmögliche möglich: Sie hatten einen großen Hit! Okay, es war nur einer, aber der ging in die Musikgeschichte ein. Jetzt, viele Jahre später, macht der Hit ihnen nun Schwierigkeiten. Denn da war damals auch Lydia, das vierte Bandmitglied, das zu Ruhm aufstieg und tief fiel. Kaum wird die Erinnerung an Lydia und ihre Jugend lebendig, beginnen alle ehemaligen Band-Mitglieder zu stolpern: Andrew, der mit Elizabeth verheiratet ist und nie so recht wusste, was er mit seinem Leben anfangen soll. Zoe, die mit ihrer Frau erfolgreich ein Restaurant führt, aber nicht mehr spürt, ob sie vielleicht nicht doch nur mehr Geschäftspartnerinnen sind. Ruby, ihre Tochter, die eigentlich auf böse Jungs steht und plötzlich mit dem braven Harry anbandelt. Harry, der sein Glück nicht fassen kann, aber trotzdem vernünftig bleibt und dabei so sympathisch ist. Und die Immobilienmaklerin Elizabeth, die eine heimliche Sehnsucht hat: nach Musik.

Eine Sommergeschichte von Frauen, die lieben und in der Leichtigkeit des Sommers ihren Träumen ganz ehrlich ins Gesicht schauen. Es kann so einfach sein…
Im Droemer Verlag um 20,60 Euro.

 

Grillage: Lass mich nicht allein mit ihr

Grillage: Lass mich nicht allein mit ihr – von Text Rubinowitz

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