Es ist was es ist. Oder nicht?

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Wenn sich eine Frau als Mann ausgibt. Ein Pizzakoch vielleicht das geheime Leben eines Schriftstellers führt. Oder sechszehn Wörter sehr tief in eine ungewöhnliche Familiengeschichte führen. Es ist was es ist: in allen drei Büchern überraschend!

Laird Hunt. Die Zweige der Esche
So steht es am Beginn dieses Buches:

Sie hatten zwei Monate lang darüber geredet, bevor sie ging, aber sie wussten von Anfang an, wo das hinführen würde. Sie waren beide klein, aber er war aus Wolle und sie aus Draht. Er hat im Winter immer Migräne, sie war keinen grauen Tag in ihrem Leben je krank gewesen. Er konnte in der Ferne nicht besonders gut sehen, und sie konnte ein Auge zukneifen und einen Hasen aus fünfzig Metern den Kopf zwischen den Ohren wegschießen. Er hat das Feld geräumt, wann immer es ging und sie hat nie klein beigegeben. Sie würde gehen, er würde bleiben.

Geh und schau, was in dir steckt. Sie nannte sich Ash, aber eigentlich ist sie Constance, die Frau von Farmer Bartholomew. Sie liebt ihren Mann, aber sie lässt ihn zurück, um ihre Farm im amerikanischen Bürgerkrieg zu vertreten. Dort wird sie schnell zur Legende: Sie rettet zwei Kameraden das Leben und einer Dame die Ehre, unterstützt den Colonel, wann immer es geht und beweist Mut und Verstand, als das Essen knapp wird und die Truppe der Front näher kommt. Dort fällt Ash jedoch langsam auseinander und Constance, die Frau in den Männerkleidern, kommt zum Vorschein.

Paul Auster schreibt über Die Zweige der Esche: „Ich war vom ersten Moment an gefangen. Überwältigend!“ Man kann ihm nur zustimmen, ein außergewöhnliches Buch!
Im btb Verlag um 18,50 Euro.

David Foenkinos. Das geheime Leben des Monsieur Pick
Monsieur Pick führte eine Pizzeria in einem Dorf in der Bretagne und soll einen Bestseller geschrieben haben, von dem niemand etwas wusste. Wie soll das gehen?

Doch der Reihe nach: Eigentlich beginnt alles mit Monsieur Gourvec, der im besagten Dorf eine besondere Bibliothek gründete: die Bibliothek der abgelehnten Manuskripte – einen Ort, an dem Möchtegern-Schriftsteller ihre von Verlagen abgelehnten Manuskripte abgeben konnten und dafür von allen Ecken Frankreichs anreisen. Und so wächst die Bibliothek beständig, öffentlich wird sie jedoch nicht beachtet. Das ändert sich aber schnell, als Delphine auf den Plan tritt: eine gewiefte Mitarbeiterin eines Pariser Verlags, die sich in ihren Sommerferien durch die abgelehnten Manuskripte gräbt und eines entdeckt, das das Zeug zum Bestseller hat. Doch wie seltsam: Es stammt von Monsieur Pick, dem ehemaligen Pizzakoch des Dorfes, den selbst seine Witwe ein Leben lang nur Einkaufszettel schreiben sah. Und jetzt ein Roman? Wann soll er diesen geschrieben haben? Hatte Monsieur Pick vielleicht ein geheimes Leben? Während sich das Karussell der Vermutungen zu drehen beginnt, wird das Buch immer erfolgreicher und stellt alles auf den Kopf: die französische Literaturwelt, den Alltag von Madame Pick und das Leben von Delphine. Und dann taucht ein arbeitsloser Literaturkritiker im Dorf auf und beginnt nachzufragen…

Eine leichte Bücherkomödie für den Sommer: très français, turbulent, heiter, ein wenig boshaft, überraschend!
Im DVA Verlag um 20,60 Euro.

Nava Ebrahimi. Sechszehn Wörter
Es ist ein großes, unbekanntes Land, in das uns Nava Ebrahimi, die übrigens in Graz lebt, mit ihrem Roman führt: die Familie. Sechszehn Wörter sind es, die dieses Land für uns eröffnen – wie kleine Schlösser sind sie, die endlich aufgesperrt werden wollen.

Mona lebt in Köln und fliegt mit ihrer Mutter in den Iran, als ihre Großmutter stirbt – eine eigenwillige Frau, die verletzend und liebevoll zugleich sein konnte und Mona mit ihren unpassenden, derben Witzen immer wieder in Verlegenheit brachte. Beim Begräbnis weint Mona nur ein einziges Mal und die Rituale, die Verwandtschaft und die Stadt – all das bleibt Mona fremd und sie denkt immer öfter an den Rückflug nach Köln. Als sie jedoch ihr Langzeitliebhaber Ramin zu einem Ausflug in die Stadt Bam einlädt, sagt sie trotzdem zu. Dort angekommen, verliert sich ihre Mutter aber immer mehr in Erinnerungen und fällt in eine lähmende Trauer, die für Mona rätselhaft ist. Weint sie um ihre verstorbene Mutter? Um ihre gescheiterte Ehe mit Monas Vater? Oder um ihr eigenes Leben? Morde-Schur, Dorugh, Azadi und… Sechzehn Wörter offenbaren eine Familiengeschichte, in der nichts ist, was es ist.

Eine unglaubliche Geschichte über eine ungewöhnliche Familie und das Fremde – in uns. Bitte unbedingt lesen!
Im btb Verlag um 18,50 Euro.

 

Es ist was es ist. Oder nicht? Das geheime Leben des Monsieur Pick, die Zweige der Esche und Sechszehn Wörter

Es ist was es ist. Oder nicht? Das geheime Leben des Monsieur Pick, die Zweige der Esche und Sechszehn Wörter