Unheimliches und Mord

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Wenn es draußen heller wird, ist es Zeit für dunkle Geheimnisse und unheimliche Begebenheiten. In diesen Büchern warten sie auf Euch.

Louise Erdrich. Ein Lied für die Geister
Es ist die Grenze zwischen den alten indianischen Traditionen und der zeitgenössischen amerikanischen Gegenwart entlang der Louise Erdrich, selbst mütterlicherseits Indianerin, oft schreibt. Nicht selten säumen Geister diesen Weg. So auch in ihrem aktuellen Buch:

Es passiert in einem Reservat in North Dakota – ein sonniger Nachmittag im Wald, ein Hirsch, ein Schuss, ein toter Junge namens Dusty. Nichts wird je wieder so sein, wie es einmal war. Und doch kann alles wieder gut werden. Zumindest sagen das Geister, die Landreaux und seine Frau Emmaline in einer Zeremonie befragen. Aber ein Opfer muss getan werden und so verbrennen sie das Gewehr, vergraben die Munition, nehmen den Weg, den der Hirsch genommen hatte und überlassen ihren jüngsten Sohn LaRose der Familie von Dusty – einer alten Tradition der Indianer folgend, die tröstend wirken soll. Tatsächlich gelingt es dem Jungen, die erstarrten Herzen der Trauerfamilie zu öffnen und ihnen wieder Vertrauen ins Leben zu schenken. Irgendwann aber beginnt diese ungewöhnliche Vereinbarung zu bröckeln, weil keiner mehr weiß: In welche Familie gehört LaRose eigentlich? Und dann ist da noch dieser merkwürdige Einzelgänger, der mit seinem ehemals besten Freund Landreaux seit langem eine Rechnung offen hat und nun seine Chance auf Rache wittert. LaRose aber, der unscheinbare Junge, kennt das Lied der Geister…

Ein wunderbares Buch über die Kraft der Vergebung und wie Erlösung möglich sein kann. Einfühlsam, schonungslos ehrlich, voller Lebensweisheit – sehr schön!
Im Aufbau Verlag um 22,60 Euro

Gerhard Jäger.
Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

Ein Roman über eine unerfüllte Liebe, einen ungeklärten Mord und eine spannende Spurensuche in den Bergen:

Der junge Historiker Max Schreiber kommt im Winter 1950 in ein Tiroler Bergdorf, um zu recherchieren. Vor über hundert Jahren ließ man hier ein Haus abbrennen und half der Bewohnerin nicht aus den Flammen. Eine Hexe sei sie gewesen, den Tod hätte sie verdient. Selbst als Schreiber für sein geplantes Buch so viele Jahrzehnte später nachzufragen beginnt, ist nicht viel mehr aus den misstrauischen Dorfbewohnern herauszukriegen. Nicht einmal der blinde Seiler will was erzählen. Schreiber fühlt sich immer öfter ausgestoßen und sehnt sich gleichzeitig immer mehr nach der Gemeinschaft dieses Dorfes, das nach seinen eigenen Regeln zu funktionieren scheint. Er verliebt sich in die stumme Maria, um die aber auch ein anderer aus dem Dorf wirbt. Dann kommt ein Bauer ums Leben, eine Scheune brennt und der Winter bricht über das Dorf herein. Lawinen gehen ab und die Menschen suchen Zuflucht in der Kirche. Schließlich passiert ein Mord und Schreiber verschwindet spurlos. Jahrzehnte später will ein alter Mann endlich wissen, was damals wirklich geschah…

Eine raffinierte Geschichte von der Magie und Bosheit eines Bergdorfes, das aus Raum und Zeit gefallen scheint.
Im Blessing Verlag um 23,70 Euro.

Yann Martel. Die hohen Berge Portugals
Das ist der neue Roman des Autors von „Schiffbruch mit Tiger“. Wieder geht es um eine außergewöhnliche Reise, auf der Unheimliches und Kurioses passieren:

Wir schreiben das Jahr 1904 in Lissabon. Die ersten Automobile machen die engen Gassen der Stadt unsicher und ein junger Mann soll lernen, damit zu fahren. Doch Tomás hat seit einem Schicksalsschlag einen Spleen: Er geht nur mehr rückwärts. Dementsprechend schwierig wird es für ihn mit dem Autofahren und trotzdem nimmt er die Herausforderung an. Denn Tomás ist auf der Suche. Im Museum, in dem er arbeitet, hat er in einem alten Tagebuch eines Priesters aus den afrikanischen Kolonien den Hinweis auf einen alten Schatz gefunden, der sich weit weg von Lissabon, in den hohen Bergen Portugals befinden soll. Die Reise wird für Tomás ein Höllenritt, auf dem das Automobil sein elegantes Aussehen einbüßt und er an seine Grenzen gerät. Dann aber nimmt die Reise eine unvorhergesehene Wende und das Geheimnis um den alten Schatz klärt sich erst Jahrzehnte später auf: als ein Leichnam in einer Silvesternacht in die Hände eines Pathologen gerät und ein Schimpanse in den hohen Bergen Portugals auf ein iberisches Nashorn trifft…

Eine unheimliche Geschichte voll tragischem Zauber. Unglaublich und zugleich faszinierend glaubhaft – ein höchst erstaunliches Buch!
Im S. Fischer Verlag um 23,70 Euro

 

Yann Martel, Gerhard Jäger und Louise Erdrich schreiben über Unheimliches, Geister und Mord.

Yann Martel, Gerhard Jäger und Louise Erdrich schreiben über Unheimliches, Geister und Mord.